19/12/2025
Tulum
Wir wollten schon seit Jahren mal nach Mexiko, aber irgendwie haben sich andere Ziele immer wieder vorgedrängelt. Jetzt ist es endlich soweit - jeden Tag Tacos!
19/12/2025
Man soll in Mexiko ja nachts besser nicht Autofahren, heißt es überall. Aber wir hatten unseren Mietwagenschlüssel genau mit Einbruch der Dunkelheit bekommen und somit keine Wahl. Die zwei Stunden Fahrt von Cancun nach Tulum waren anstrengend und langweilig. Die Straße war schlecht, viel Verkehr, wenig Gefühl für Fernlicht und nichts zu sehen außer den überdimensionierten Einfahrten von irgendwelchen Hotelanlagen.
Unser Hotel Pocna lag am nördlichen Strand von Tulum, der zu einem Nationalpark gehört. Außerhalb der Öffnungszeiten wird das Tor von der Polizei kontrolliert, die sich auf dem Handy unsere Hotelbuchung hat zeigen lassen. Danach konnten wir auf einer hübschen, dezent beleuchteten Straße durch einen grünen Baumtunnel bis zu unserem Hotel fahren. Unser Zimmer lag in einem sehr schön angelegten Palmengarten - es über den labyrinthartigen Weg wiederzufinden erforderte einige Anläufe. Nach dem langen Trip sind wir ins Bett gefallen ohne einen Gedanken ans Meer zu verschwenden, das nur ein paar Meter hinter dem Dickicht sein musste.
20/12/2025
Am nächsten Morgen mussten wir uns an die Fersen von anderen Gästen heften, um den Weg durch den Garten zum Strandrestaurant zu finden, wo wir (genau wie geplant) den ersten Tag in Mexiko mit Tacos beginnen konnten.
Der Strand von Tulum ist irrsinnig schön: Weißer Strand flankiert von üppigem Grün, hellblaues Meer (nicht zu kalt), herrlicher Sonnenschein (nicht zu heiß), eine frische Brise (nicht zu stark), kleine Wellen zum Planschen und … Pelikane! Natürlich ist es kein einsamer Strand - aber jeder, der schon mal an einem wirklich einsamen Strand war, weiß zu schätzen, wenn man zwischendrin einen frischen Saft und Ceviche ordern kann, ohne es selbst mitbringen zu müssen. Es war nicht übertrieben voll und insgesamt sehr friedlich. Viel mehr als das zu genießen und mit ein paar Nickerchen in dieser Zeitzone anzukommen, hatten wir uns für den ersten Tag nicht vorgenommen.
Am Nachmittag sind wir losgefahren und haben das “echte” Tulum kennengelernt. Die Straße am südlich gelegenen Tulum Beach ist eine lange Kette von Bars, Kneipen und Restaurants. Autos schieben sich im Stau hindurch, jede Menge Touristen sind unterwegs und aus den Läden kommt laute Musik. Die Straße erinnert an die Ecken von Bali und Thailand, die “früher” mal schön waren und heute den Partytouristen gehören. Wir waren sehr zufrieden mit unserer Wahl, im Nationalpark zu wohnen. Die paar Besonderheiten dort (extra Gebühren, keine Läden zum Einkaufen, Plastikflaschen verboten usw.) machten es regelrecht paradiesisch. Bei uns war es ruhig und wunderschön.
Der eigentliche Ort Tulum liegt ein paar Kilometer von der Küste entfernt im Inland. Er erinnert an eine heruntergekommene amerikanische Kleinstadt mit breiten Straßen und flachen Häusern. Die Außenbezirke sind voll von gigantischen Supermärkten und Tankstellen. An der belebten aber tristen Hauptstraße gibt es Ramschläden und fliegende Händler. Ein paar Blocks haben sich zu einem Ausgehviertel entwickelt, wo es einige nett gemachte Restaurants und Bars gibt. Die meisten Gäste waren aber Touristen. Ein paar Blocks weiter wird es mexikanischer. Auf einem kleinen Parque Principial werden unter ohrenbetäubendem Vogelgeschnatter Zuckerwatte und Früchte verkauft. Gleich zwei Krippen standen auf dem Platz - eine sogar mit Elefanten! Dahinter wurde eine Sammlung aufblasbarer Weihnachtsobjekte wie Zuckerstangen, Schnee- und Weihnachtsmänner und Geschenkpakete für die Stimmung aufgestellt. In den anschließenden Straßen gab es einen Frisör neben dem anderen und Geschäfte für billige Schuhe. Spätestens beim Internet-Café ist man in einer anderen Zeit angekommen.
Wir haben spontan im Negro Huitlacoxe gegessen. Das beliebte Restaurant hatte für uns die ersten Gerichte jenseits der uns bekannten mexikanischen Küche zu bieten. Zu gegrilltem Mais, der in Streifen vom Kolben geschnitten war, gab es einen pechschwarzen, aromatischen Dip und Parmesan mit einer irrsinnig scharfen Habanero-Soße. Die Tacos mit schwarzen Huitlacoxe-Pilzen und Birra Quesadillas boten uns ganz neue Geschmäcker - mit europäischem Aroma-Vokabular kommt man hier beim Schmecken nicht weit.
21/12/2025
In unserem Nationalpark (Jaguar Park) lagen auch die Maya-Ruinen von Tulum. Wir sind früh aufgebrochen und die zwei Kilometer zum Archäologischen Park zu Fuß gegangen. Mit dem Auto darf man so weit nicht fahren, daher müssen Besucher von Außerhalb auf den Bus warten. Wir hatten so einen Vorsprung und waren tatsächlich die ersten in der Anlage. Die meisten Gebäude sind nur noch Mauern oder Grundgrisse. Es gibt auch keine großen Pyramiden wie an anderen Orten. Das Besondere an Tulum ist, dass die Ruinen sehr pittoresk an den Klippen direkt über dem Meer stehen. Die Besichtigung dauerte nicht sehr lang. Aber wir hatten tolle Ausblicke und einen schönen Spaziergang. Den Rückweg zum Hotel haben wir über den Strand genommen.
Wenn man den Tag mit einer Vor-Frühstücks-Aktivität gestartet hat, gammelt es sich umso besser. Reuelos konnten wir in der Sonne liegen und den herrlichen Strand genießen.
Ein Regenguss hatte uns am Nachmittag vom Strand vertrieben und zu einem Stadtspaziergang verleitet. Dort sind wir in einen viel schlimmeren Regenguss gekommen und haben mit vielen Einheimischen eine Weile unter einem trockenen Vorsprung ausgeharrt. Beim Abendessen im etwas außerorts gelegenen Cetli konnten wir noch mehr der mexikanischen Küche entdecken. Die gefüllte Poblano-Chili ist nicht scharf, sondern eher wie eine dünne Paprika. Die Soße und Fleischfüllung war aufregend gewürzt mit Pflaumen, Rosinen, Granatapfelkernen in einer dicken Mandel-Sherry Soße. Enchiladas kamen in einer köstlichen Sesam-Soße. Das hat mit dem Essen, das wir von Mexikanern in Deutschland kennen, nicht mehr viel zu tun - spannend!
22/12/2025
Die Yucatan-Halbinsel ist unter anderem für die Cenotes bekannt. Das sind Löcher im Land, die zu ausgedehnten unterirdischen Höhlensystemen gehören, und meistens mit Grundwasser geflutet sind. Viele davon - wie die Gran Cenote nördlich von Tulum - sind zu kleinen Freibädern umgebaut worden. Wir waren wieder extra früh da - nur um Sekunden von einer japanischen Familie geschlagen, die bestens vorbereitet in Neoprenanzügen vor uns auf dem Parkplatz auftauchte. Das Wasser war glasklar und das Schnorcheln fühlte sich an als würde man mit einer japanischen Reisegruppe durch eine Höhle mit Stalagmiten und Stalaktiten schweben. Etwas später, mit den ersten Sonnenstrahlen fing die Cenote an zu strahlen und zu schimmern - eine lohnenswerte Vor-Frühstücks-Aktivität!
Leider wurde es schon Zeit unser schönes Zimmer im Palmengarten zu räumen. Nach dem Frühstück konnten wir aber noch eine Weile den Strand von Tulum genießen und den Pelikanen bei ihrer Patrouille zusehen.