14/08/2024
Kuala Lumpur
Nach dem langen Flug hat es nochmal knapp eine Stunde gedauert, um vom Flughafen bis nach Kuala Lumpur hinein zu fahren. Immerhin sind die Online-Taxis günstig und man hat keine Verständigungsprobleme beim Ziel. Auch hier waren wir schon einmal, vor über 20 Jahren. Wir konnten uns beim besten Willen nicht mehr erinnern, wo wir damals abgestiegen sind - nur, dass es ziemlich billig war und weder Fenster noch Bad hatte. Man wird alt und gemütlich, dieses Mal wollten wir beides!
Das Hotel „The Chow Kit" im gleichnamigen Bezirk ist in einem umgestalteten, alten Gewerbehaus untergebracht, wie es auch in Manhattan stehen könnte. Die Einrichtung hat einen dezenten 50er-Jahre-Charme gemixt mit etwas Kolonialstil und chinesischen Elementen. Wir wollten Fenster und haben Fenster bekommen - bodentief über die ganze Breite mit Blick auf die nächtlichen Hochhäuser der Stadt. Es fuhr sogar eine Hochbahn unter unserem Fenster her und machte eine Kurve über einer wuseligen Kreuzung - das ganze Asia-Bladerunner-Programm, aber hinter schalldichten Fenstern - ein Traum! Im Restaurant des Hotels haben wir noch ein spätes Abendessen bekommen und konnten dabei direkt viele malaysische Spezialitäten probieren, bevor wir uns endlich dem Jet Lag hingeben konnten.
15/08/2024
Den Morgen haben wir noch vorsichtig unasiatisch mit einem köstlichen Avocado-Sauerteigtoast und einem göttlichen French Toast gestartet. Danach ging es aber authentisch lokal mit einem Spaziergang zum nahegelegenen Chow Kit Market weiter. Das ist ein sogenannter „wet market", weil es dort Lebensmittel, insbesondere frischen Fisch und Fleisch gibt. In der großen Halle, die einen ganzen Häuserblock einnimmt, herrschte das typische Marktgewusel. Wet ist Programm. Der ganze Markt war nass, weil jeder Stand ständig seine Ware mit Wasser abspritzt, oder vom Eis, das unter tollen Fischen wegschmolz. Der Gang mit Hühnern und Fleisch war nicht ganz so magenfreundlich wie der duftende Obst- und Gemüsebereich.
Hinter dem Markt schließt sich Warung Baru an, ein älterer, einfacher Stadtteil. Hier stehen teilweise nur einfache Hütten, hinter denen sich die Skyline KLs mit den Petronas Towers erhebt. Eine Brücke führt über den traurigen Klang River, der braun und dreckig durch einen tief eingeschnittenen Kanal durch die Stadt fließt. Dahinter sind wir ins Hochglanz-KL mit den Petronas Towers, Hotel-Hochhäusern und Edel-Malls eingetaucht. Ein paar Blocks weiter waren wir in der Ilham Gallery, die vielleicht die Rolle eines fehlenden Museums für Contemporary Art einnimmt. Die kostenlose Ausstellung war klein, aber interessant und hat viele eigenständige asiatische Künstler gezeigt.
KL ist keine Stadt für Fußgänger. Die Straßen ziehen sich endlos dahin und sind nur für Autos und die unzähligen Motorräder ausgelegt. Daher haben wir die U-Bahn genommen, um nach China Town fahren. Dort haben wir den Fehler gemacht, noch kurz in der National-Moschee reinschauen zu wollen. In der Gegend hatten wir uns vor 20 Jahren schon mal verlaufen. Wir mussten den großen Komplex einmal umrunden, um dann dort zu erfahren, dass der Zugang für Nicht-Muslime erst später wieder möglich wäre. Bei 33 Grad können solche Umwege unangenehm werden. Der noch größere Fehler war, dass wir dachten, wir könnten stattdessen kurz beim schönen, alten Bahnhof vorbeischauen, der Kolonialstil mit indisch angehauchter Fantasiearchitektur mischt. Vermutlich war das mal das Zentrum der Stadt. Aber heute ist es ein unpraktischer Ort, der nur von großen Straßen umringt ist und das Gegenteil seiner eigentlichen Aufgabe erwirkt: Statt zu verbinden, versperrt er Fußgängern in allen Richtungen den Weg. Man kann nicht hinein- oder hindurchgehen, sondern muss einen ewigen Umweg drum herum einschlagen. Langsam kehrten unsere Erinnerungen zurück.
Irgendwann sind wir in China Town gelandet. Die berühmte Pentaling Street ist ein Touristenmagnet und eigentlich langweilig. In den Seitenstraßen gab es ein bisschen echtes Gewusel, aber insgesamt hat sich der Abstecher so wenig gelohnt wie der Bahnhof. Wir hatten uns kurz in den Kopf gesetzt, dass man dort Dumplings bekommen müsste. Aber das war das einzige, das auf den Aushängen der vielen Garküchen nicht zu finden war. Über all dem ragte, wie von einem Ufo abgestellt, ein riesiges, amorphes Hochhaus.
Nach ein paar spiralförmigen Runden durch das Viertel, sind wir zum naheliegenden Fluss gegangen, um weitere zentrale Sehenswürdigkeiten wie das Sultan Abdul Samad Building und einen großen Rasenplatz, der mit Fahnen zugekleistert war, zu würdigen. Wir standen gerade vor einer Tafel, auf der der hässliche Klang „River of Life" genannt wurde, als eine große Styroporbox von Plastikflaschen eskortiert auf dem braunen Wasser an uns vorbei floss.
Am Abend hatten wir ein fantastisches Dinner mit asiatischer Fusion-Küche aus Singapur und Malaysia. Währenddessen hat es derart angefangen zu regnen, dass wir auf dem Rückweg, weil kein Taxi zu bekommen war, am Ende Barfuß durch die klitschnassen Straßen spaziert sind. Der Schirm im Gepäck hat sich schon am ersten Tag gelohnt - um das mal positiv zu sehen.
16/08/2024
Weil unser erster Besuch schon so lange her war, haben wir uns entschlossen auch nochmal zu den Batu Caves zu fahren. Das ist ein indischer Tempel in einer riesigen Höhle, zu der eine noch größere Treppe hinauf führt. Hier hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Zum Beispiel wurde eine Eisenbahn gebaut, die dort hinführt. Aber schon beim Ausstieg war klar, dass die ganze Umgebung explodiert ist. Der Weg zu den Höhlen führte uns an neuen Höhlen voller indischem Götterkitsch, Pfauenzoos, Affenfütterstationen, Lotusteichen und noch mehr Tempeln vorbei. Neben der Treppe ist eine dezente 40m hohe, goldene Statue gebaut worden. Wir können es kaum erwarten uns zuhause unsere alten Fotos (damals noch auf 36er Film!) zum Vergleich anzusehen.
Zurück in der Stadt haben wir noch einige Viertel besucht, um mal einen Überblick über das Leben in KL zu bekommen. Das angesagte Bangsar war wohl mal ein Dorf, das von der Stadt gefressen wurde. Die Gebäude waren flach und es deutete sich ein Western-Style-Viertel an. So hip wie vermutet war es zwar nicht, aber die Dichte an Cafés und Frisörsalons ließ erahnen, wo es hingehen würde.
In Brickfields liegt das Little India von KL. Gottseidank sind wir nicht zu Fuß gelaufen. Sogar die Taxifahrt hat sich ewig gezogen, obwohl es quasi nebenan lag. Die Hauptstraße war mit bunten Säulen und Bögen verziert und jedes Geschäft war durch und durch indisch: Sari-Geschäfte, Bindi-Geschäfte, Samosa-Stände, Barfi-Stände und natürlich endlos viele Restaurants. Wo waren wir nochmal? Malaysia?
Interessanterweise ging dieser indische Streifen nahtlos in die modernen Malls von KL Sentral über, wo der neue Hauptbahnhof liegt (der auch in eine Mall übergeht). Mit einer Hochbahn sind wir zwischen Brachen, verwitterten alten Hochhäusern und mehr Malls ins viel beworbene Bukit Bintang gefahren. Das wurde auf vielen Reiseseiten als bestes Viertel für Touristen empfohlen. Wir waren dann ziemlich froh, dass wir nicht dort abgestiegen sind. Denn die Gegend war (neben mehr Malls) voller Fressmeilen und Touristenkneipen.
Am Abend haben wir bei unserem Hotel um die Ecke ein nettes kleines Viertel mit vielen schön aufgemachten Restaurants und auch einfachen Food Stalls entdeckt. Dort haben wir mal ganz ortsfremd karibisch gegessen.
Später war der Ruf der nächtlichen Petronas doch verlockender als das Bett, und wir haben noch einen ausgedehnten Spaziergang ins KLCC gemacht. (Wir hätten ein Taxi nehmen sollen). Bei Nacht waren die beleuchteten Hochhaustürme besonders eindrucksvoll und die Klang-Brücke in Warung Baru war mit der malaysischen Flagge beleuchtet und voller Locals, die sich gegenseitig vor ihren Wahrzeichen fotografierten.