Sulawesi 2024

14/08/2024 bis 06/09/2024

14/08/2024

Kuala Lumpur

17/08/2024

Ramang Ramang

19/08/2024

Tana Toraja

Der Nachtbus hat uns zügig nach Rantepao geschaukelt. Wir waren schon vor 6 Uhr in da und sind kurz vorm Ortseingang ausgestiegen. Die Nacht hätte fast ein bisschen länger dauern können - Bus hin oder her. Per WhatsApp konnten wir unser Guesthouse erreichen, die uns schon um diese üble Uhrzeit spontan abholen kamen. Wir konnten zwar noch nicht in unser Zimmer, aber uns wurde netterweise ein frühes Frühstück serviert.

Gleichzeitig konnten wir uns eine Führerin organisieren, um den Tag direkt zu nutzen. Nach dem Frühstück stand dann schon Manda, eine ältere Frau, mit zwei Motorrollern vor der Tür, um uns abzuholen. Wir haben uns gleich in den herrlich hektischen Verkehr gestürzt und versucht ihr auf den Fersen zu bleiben. Als Rollerfahrer ist man eigentlich ständig im Überholvorgang, egal ob links oder rechts vorbei, Hauptsache hupen.

Toraja ist für drei Dinge berühmt: Die Architektur der Häuser, Kaffee und Begräbnisse. Die Häuser mit ihren eigentümlichen, wie Sättel geschwungenen Dächern sieht man überall in der Gegend. Und man muss auch nicht lange fahren, um Gräber zu sehen. (Am schwierigsten ist es, einen guten Kaffee zu bekommen).

Als erstes führte uns Manda über steile und kurvige Straßen zu den Gräbern von Londa. Dort gab es eine verzweigte Höhle, in der die Bewohnern der Gegend ihre Toten begraben. Begraben ist eigentlich das falsche Wort, da die Toten auf viele Arten bestattet werden - aber nie in der Erde. Schon vor dem Eingang der Höhle stapelten sich Särge und nackte Schädel beschützt von einem großen Felsüberhang. Die Särge waren aus dickem Holz gezimmert und waren in einer Art Regal aufgestellt, das in den Fels gehauen war. Ein paar Grabbeigaben wie Essschüsseln hingen außen an den Särgen. Einige Särge waren aufwändig an Seilen befestigt und hingen weiter oben am Fels.

Obwohl die Toraja ein kleines Volk sind, ist ihre Gesellschaft in drei Kasten aufgeteilt. Die Kaste bestimmt, welche Art von Begräbnis man sich leisten muss. Für Tote der „High Class" werden lebensgroße Figuren angefertigt. An den Grabfelsen gibt es oft ein Art Tribüne, in der diese Figuren (meist sitzend) aufgestellt werden - und ewig grüßen die Ahnen. Das ist ein bisschen skurril, aber macht Eindruck. Natürlich müssen die Nachfahren alle paar Jahre mal die Kleidung der Figuren erneuern.

In die Höhle von Londa wurden wir mit einer flackernden Öllampe geführt - gelungener Effekt, wenn Totenköpfe zwischen den hüpfenden Schatten hervorlugen. Weniger gelungen war der Effekt der Opfergaben - den Toten werden gerne Zigaretten und Wasser in PET-Flaschen mitgebracht, so dass es am Ende ein bisschen wie ein Müllhaufen aussieht. Dazwischen standen Fotos von den Toten und Kreuze. Denn die Toraja sind heute alle Christen.

Eine weitere beliebte Form der Bestattung sind Felsengräber, die wir an einem anderen Ort besichtigten. In die Felsen werden Grabkammern gehauen - so groß wie eine kleine Garage. Das ist das Pendant zu einer Familengruft. Die Kammern bieten Platz für mehrere Generationen. Damit die Ruhe der Toten nicht gestört wird - auch wenn die Nachfahren sie auch gerne selbst mal rausholen, um sie neu einzukleiden - werden die Kammern mit verzierten Holztüren verschlossen. Diese quadratischen Öffnungen lassen die Felsen wie ein Hunderwasser-Haus wirken

Manda trieb uns an, da wir uns mittags auf eine große Hochzeit schleichen sollten. Mit großem Hof und in Anzug und weißem Kleid kam das Brautpaar aus der Kirche zum Festgelände. Dort wurden ein paar Tänze aufgeführt und lange Reden gehalten, die vom Publikum klaglos ertragen wurden. In extra aufgebauten, offenen Hütten waren Hunderte Gäste versammelt. Unsere Führerin hatte uns einfach zur Familie gesetzt und sich dann über das verteilte Mittagessen hergemacht. Da wir aber nicht viel tun konnten als zu lächeln und zu winken, haben wir uns verabschiedet, nachdem das Brautpaar in prächtigen traditionellen Toraja-Trachten wieder auf die Bühne kam.

Wir mussten uns auch beeilen, da wir in einem anderen Dorf in der Nähe zu einer Doppel-Bestattung wollten. Eine Hundertjährige und ihr über 70 Jahre alter Sohn wurden betrauert. Das war kein zufälliger Doppeltod. Die Toraja balsamieren ihre Toten ein und behalten sie so lange in ihrem Haus bis sie sich eine standesgemäße Bestattung leisten können. Das kann auch mal ein paar Jahre dauern.

Die Zeremonie beinhaltet vor allem die Demonstration von Stand und Reichtum, was durch das Schlachten von Büffeln geschieht. Die Feierlichkeiten ziehen sich - je nach Kaste - bis zu zehn Tage oder länger hin. Wir hatten den letzten Tag erwischt, so dass wir das große Schlachten verpasst haben. Auf Videos von anderen Reisenden konnten wir später sehen, dass es recht unappetitlich ist, wenn man einem Büffel nach dem anderen die Kehle durchschlägt.

Als wir ankamen, lagen am Rand der zentralen Sandfläche schon stapelweise abgetrennte Büffelhörner, die später zur Verzierung der Häuser verwendet werden. Der Sand war noch blutrot und feucht und roch nicht besonders lecker. Die zwei Särge waren rot angemalt und gelb verziert. Sie standen auf Holzgestellen mit großem Dach - einer Miniaturversion der Toraja-Häuser. Für die alte Dame wurde auch ein schickes sitzendes Holzduplikat angefertigt, mit eleganter Tracht und Strohhut.

Aus riesigen Töpfen wurde gekochtes Büffelfleisch geschöpft und unter den Gästen verteilt. Unsere Führerin freute sich riesig über ein zweites Mittagessen. Dann konnten wir noch das Ende der Zeremonie miterleben. Erst haben die Gäste einen großer Kreis gebildet und ein Lied angestimmt. Viele hatten T-Shirts mit einem sehr unvorteilhaften Foto der Verstorbenen an. Einige Hinterbliebene haben sich laut klagend und weinend auf die Särge gestürzt. Dann wurden die schweren Holzgestelle von einer aufgekratzten und ziemlich betrunkenen Meute starker Männer unter großem Gejohle und Geschrei an langen Bambusstangen davon getragen. Die Särge wurden zu einem „Hausgrab" (etwas wie ein Mausoleum im eigenen Garten) getragen. Unterwegs wurde alles niedergemäht, was nicht schnell genug aus dem Weg sprang. Unter viel Gelächter wurde eine Stromleitung über der Straße vom Giebel des Sarghäuschens herunter gerissen. Das alles war sehr eindrucksvoll.

Unser ereignisreicher Tag war noch nicht zu Ende. Manda hat uns noch auf eine extra lange Tour in den Süden mitgenommen, um noch mehr Gräber zu sehen. Bemerkenswert waren die Baumgräber. Wenn Babies sterben bevor sie Zähne bekommen, bekommen sie noch keine ordentliche Bestattung. Manche Familien höhlen kleine Löcher in den Stamm eines speziellen Baums und bestatten die Babys da rin. Das Loch wird versiegelt und wächst mit den Jahren wieder vollkommen zu.

Als wir endlich zurück im Hotel waren, waren wir zwar absolut begeistert von dem interessant Tag - aber auch todmüde.

20/08/2024

Die letzten Tage waren wirklich anstrengend. Wir haben es tatsächlich geschafft fast 12 Stunden zu schlafen. Um nicht gleich wieder in hektisches Programm zu verfallen, haben wir den Tag sehr entspannt verbracht. Wir haben den Motorroller vom Guesthouse gleich behalten und sind damit gemütlich durch die Gegend gefahren. Zuerst haben wir Kete Kesu gleich um die Ecke besucht. Dort gibt es die typische Toraja-Kombination: eine Doppelreihe Tongkonan (Toraja-Häuser - kleine für Reis und große für Menschen) und einer angrenzenden Grabstätte. Die Gräber waren wirklich eindrucksvoll. Hier gab es fast alle üblichen Varianten zu sehen: Mausoleen, am Fels hängende Holzsärge, Reihen von Totenschädeln, Totenkammern hinter Holztüren im Fels, frei herumstehende Särge. Dazu kamen große Fotos, Gemälde oder am liebsten lebensechte Holzfiguren der Verstorbenen. Besonders gruselig war eine in den große Felskammer mit mehreren Reihen von Holzpuppen, die uns durch ein Gitter anstarrten.

Direkt vor dem Eingang haben wir im netten Manna Coffee House, dem wahrscheinlich besten Café der Gegend, auch endlich den berühmten Toraja-Kaffee genießen können. Kaffee gab es überall, aber dort gab es auch die passende Maschine dazu. Das Ergebnis war so lecker, dass wir gleich zwei davon auf Eis getrunken haben.

Rantepao selbst hatte nicht viel zu bieten. Die Hauptstraße war eine chaotische Motorrad-Rennstrecke, Autos hatten nichts zu melden sondern machten nur die Manöver interessanter. Wir sind direkt in Richtung Westen wieder hinaus gefahren. Die Straße schraubte sich in endlosen Serpentinen in kühlere Höhen. Überall ragten die ikonischen gebogenen Dächer der Toraja-Häuser aus dem üppigen Grün. In jedem Dorf gab es auch eine schmucklose Kirche, die so auch in Südamerika hätte stehen können. Viele waren einfach gekachelt und mit Wellblech gedeckt. Einen besonderen Akzent versuchte man mit einem extra großen Wetterhahn zu setzen. Auf einem der höchsten Hügel erwartete uns die riesige Statue eines „segnenden Christus" - eine sehr beliebte Pose. Bei all den wilden Ritualen rund um die Gräber vergisst man leicht, dass die Toraja gleichzeitig Christen sind.

Auf einem Bergrücken lag die langgezogene Ortschaft Lolei. Von verlassenen Ausflugslokalen aus hatten wir einen schönen Blick ins Tal, wo von Reisfeldern umgeben Rantepao lag. Es hat viel Spaß gemacht mit dem Roller auf den kleinen kurvenreichen Straßen durch die Wälder zu düsen. Die Straße führte durch hohen Bambus und friedliche Reisfelder.

Zurück in Rantepao haben wir vergebens versucht Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Der sogenannte Park ist nur auf der Karte grün. Wir sind über einen einfachen Markt gelaufen und haben zufällig Manda, unsere Führerin vom Vortag, beim Einkaufen getroffen. Sie war genauso fertig von dem gestrigen Tag wie wir. Ganz Führerin, hat sie uns direkt zum Hauptmarkt geschickt. Dort sind wir auch hin, konnten uns aber nicht mehr so wirklich für die Obst- und Gemüsestände begeistern. Zwischendurch gab es auch Fisch. Alles in allem sah es ganz schön versifft aus. Ein paar Blocks weiter gab es einen Viehmarkt. Dort führten Bauern ihre Büffel und Schweine hin. Auf einem großen Platz lagen Hunderte Tiere traurig herum und harrten der Dinge.

21/08/2024

Nach einem morgendlichen Stopp beim netten Coffee-Shop um die Ecke sind wir wieder mit dem Motorroller in die Umgebung gestartet. Das erste Ziel war Kalimbuang Bori, nördlich von Rantepao - natürlich eine weitere Begräbnisstätte. Als neues Element im Bestattungsarsenal gab es hier Monolithen. In Steinbrüchen wurden sehr hohe Steine geschlagen und auf dem Friedhof aufgestellt. Die Form ist irgendwo zwischen Obelisk und Säule, oben verjüngend. Der Status des Verstorbenen bestimmt die Größe des Steins. Die höchsten waren an die 5m. Daneben gab es noch die üblichen Steingräber, weiter hinten in einem Bambuswald auch sehr alte. Die allgegenwärtigen Toraja-Häuser muss man nicht erwähnen.

Danach sind wir über eine wilde, wirklich steile Straße die Berge hoch gekurvt. Die Straßen waren gerade so breit wie ein Auto, hatten aber trotzdem einen Mittelstreifen, weil fast nur Motorräder unterwegs waren. Von der Straße nach Lempo aus hat man einen schönen Blick aus der Höhe auf die Reisterrassen im Tal. Leider gab es in den zwei „Restaurants" nur Kaffee und Cup Noodles. Auf dem Land war es weniger einfach als gedacht etwas zu Essen zu bekommen. Meistens fanden wir nur Büdchen mit Getränken und Snacks.

Daher sind wir direkt nach Batutumonga weitergefahren. Dort lagen einige Restaurants nebeneinander, die sogar Essen anboten. Der Blick auf die malerischen Reisfelder bringt viele Guides und Touren hier vorbei. Wir wollten auch einen Spaziergang durch die Reisfelder machen. Aus den rätselhaften Äußerungen unseres Guesthouse-Betreibers am Vortag hatten wir uns einen groben Plan konstruiert. Durch Zufall haben wir ihn genau an dem Ort getroffen, wo wir glaubten, losspazieren zu können. Er hat uns dann weitere auslegungswürdige Hinweise gegeben, die uns schließlich auf den gesuchten Trampelpfad brachten. Der Spaziergang durch die Reisfelder war wirklich herrlich. Die meiste Arbeit wird noch von Hand gemacht, wie das Schneiden des Reis. Büffel verbrachten den Tag träge in Tümpeln und zwischen dem zum Trocknen auf Planen ausgelegten Reis, schlängelten sich noch Kinder auf Motorrädern durch. Überhaupt schien es kein Mindestalter dafür zu geben. Teilweise saßen kleine Jungs zu dritt auf den Rollern und haben uns Schrecken eingejagt, weil ja immer gewinkt werden muss - auch der Fahrer und auch zwischen großen Schlaglöchern.

Auf dem Rückweg haben wir noch einen Umweg gemacht, um noch mehr Felsengräber zu sehen. Loko Mata ist ein großer, fast kugelrunder Felsen, in den unzählige Gräber geschnitten wurden. Die quadratischen Türen liegen eng beieinander. Rund um den Felsen lag der übliche „Beerdigungs-Müll" wie Aufsteller mit Bilder der Toten, Holzgerüste vom Aufbahren und unsägliche, ziemlich große Todesanzeigen aus buntem Styropor. Es trägt nicht zum Reiz der Grabstätten bei, dass dieses Beiwerk nach der Bestattung einfach zum Verrotten liegen gelassen wird. (Bei Styropor dauert das wahrscheinlich ein Weilchen). Wir haben beschlossen, dass das die letzten Toraja-Gräber für uns sein würden.

Ein frühes Abendessen sollte uns zu frühem Schlaf führen, da wir am nächsten Tag schon um 5:30 für die Fahrt nach Tentena abgeholt werden sollten. Tatsächlich schien es ein karaokefreier Abend in der Gegend zu werden.

22/08/2024

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