Ein Angelpunkt unserer Reise sollten die Togean Islands werden. Wie alles in Sulawesi sind sie abgelegen. Von Süden kommt man nur über Ampana dorthin. Wir haben kurz vor Abreise die ganze Route umplanen müssen, weil wir festgestellt hatten, dass die Fähre, die die Togean Islands mit Gorontalo im Norden verbindet, seit ein paar Jahren nur noch montags und donnerstags fährt. Die meisten Reise-Informationen im Netz waren veraltet. Über Chat mit verschiedenen Guesthouses konnten wir uns die aktuellen Fahrpläne zusammenklauben.
Aber erstmal mussten wir von Tentena nach Ampana. Unser Fahrer hat uns unter Dauerhupen in etwa vier Stunden dorthin gebracht. Wieder ging es nur durch dicht bewaldete Berge. Die Landstraße mit ihren einfachen Hütten, Regalen mit Benzin in Flaschen, brennenden Laubhaufen und winkenden Kindern hätte ohne weiteres auch irgendwo in Südamerika sein können.
Nach einer Weile hatte sich die Straße bis an die Küste durchgekämpft und endlich waren wir am Meer. Es glitzerte verlockend hellblau zwischen den Bäumen, aber die Straße ging noch zwischen Hügeln auf und ab. Erst kurz vor Ampana wurde es flach. Doch das hässliche kleine Örtchen hat die malerische Küstenszenerie nicht unbedingt bereichert.
Wenn wir Tentena schon klein und langweilig fanden, so war Ampana noch weniger als das. Im Nachhinein empfanden wir Rantepao mit seinen vielen Straßenständen und ein paar vernünftigen Supermärkten geradezu als Großstadt. Das Triple-R Guesthouse und vor allem sein sympathischer Besitzer Dadang machten das alles mit viel Charme wett. Sein kleines Guesthouse ist komplett eigenhändig mit Reiseinfos, Rockbands (die kleine Bühne hat uns Angst gemacht, aber es wurde nicht gerockt) und aufmunternden Yogi-Tee-Sprüchen bemalt. Er hat sogar den QR-Code für das Wifi von Hand gemalt! Das hat zwar nur auf seinem Handy funktioniert, aber die Idee war super.
25/08/2024
Am Morgen ging endlich das Speedboat zu den Togean Island. Dadang hat herzlich gelacht, als wir schon mit gepackten Koffern zum Frühstück erschienen sind. Es kam uns etwas knapp vor, eine Stunde vor Abfahrt des Boots erst zu frühstücken, aber die entspannten Profis hier wissen Bescheid. Weiter lachend hat er uns zwei mit unseren riesigen Rucksäcken in eine klapprige, kleine Rikscha gesetzt.
Im Schneckentempo ging es los. Aber es waren nur ein paar Kilometern zum Hafen. Ein paar Blocks weiter ist uns dann das Benzin ausgegangen. Kein Problem, in einem indonesischen Kaff ist immer ein Benzin-Regal in Sichtweite. Am Morgen hatte unser Fahrer aber noch keine Einnahmen und wollte uns wohl nicht nach einem Vorschuss fragen. Daher musste er ein bisschen hektisch auf der Straße warten bis ein Bekannter vorbei kam und ihm Geld geliehen hat. Am Ende waren wir nicht nur früh genug da sondern das Boot hatte auch noch Verspätung, so dass alles ganz entspannt weiter ging.
Bei der Überfahrt kamen die ersten Inseln der Togeans schnell in Sicht: Oben grüne Hölle, unten dunkelgraue, vom Meer ausgehöhlte Klippen über türkis-blauen Wellen - ein paradiesisches Bild (das uns sehr an Okinawa erinnerte). Hin und wieder tauchten ein paar Dörfer mit einfachen Pfahlbauten auf. Der größte Ort ist Wakai. Im Hafen wurden Passagiere und Fracht direkt in andere Boote umgeladen, um zu den Dörfern und Resorts der Inselgruppe zu gelangen. Wir sind in ein kleines Auslegerboot umgestiegen, das wir uns vorher per WhatsApp organisiert hatte, mit Ziel Malenge.
Es gab auf den Togeans keinen Handyempfang. So wurden unsere Handys schnell überflüssig und mit ihnen das Zeitgefühl. Die Überfahrt hat vielleicht zwei Stunden gedauert. Das Meer war spiegelglatt und die Aussicht herrlich. Das Sera Beach Resort liegt in einer malerischen, kleinen Bucht, eingeschlossen von überwucherten Klippen. Im glasklaren, türkisen Wasser blitzten zwei Sandbänke auf und hinter dem strahlend weißen Strand sahen wir kleine Holzhütten.
Kaum hatten wir unsere Rucksäcke durch das lauwarme Wasser an Land getragen und in unseren Bungalow geworfen, wurden wir zum Mittagessen gerufen. Auf den Togeans gibt es nur Vollpension, weil es keinerlei Restaurants oder Geschäfte gibt. Wir konnten uns also ein paar Tage lang einfach entspannen und füttern lassen. Von unserer spartanischen Hütte waren es nur ein paar Meter bis zum Strand. Aber warum den Weg auf sich nehmen, wenn man eine Hängematte auf der Veranda hat?
27/08/2024
Die Tage vergingen in wohltuender Strandeinöde. Es gab ständig Essen, die Sonne schien, und träge stieg und fiel das Meer. Nachts regnete es meistens bis zum Morgen. Es gab mehr Strom als erwartet, ein paar kleine Solarzellen konnten funzelige Lampen betreiben und Geräte aufladen. Klimaanlagen oder Ventilatoren gab es nicht, aber die Nächte waren mild und angenehm.
In der Bucht vor unserer Tür lagen kleine Korallenriffe und wir konnten quasi von der Veranda aus losschnorcheln. Links und rechts schlossen sich weitere Buchten an, wo wir noch mehr Fische und Korallen sehen konnten.
Vor der Insel im Meer gibt es auch gute Riffe, von denen wir einige zum Schnorcheln besucht haben. Auf einem davon - mitten im Meer - wurde ein Haus auf Betonpfeilern errichtet. Das war mal eine maritime Polizeistation, die das illegale Dynamit-Fischen verhindern sollte. Anscheinend erfolgreich. Heute wird mit Netzen gefischt und alle wissen, dass die Touristen mehr einbringen als die Fische.
Das Resort wird von einer fröhlichen Familie geleitet und alles ist sehr unkompliziert. Leider hat uns der Karaoke-Fluch bis auf diesen entfernten Flecken begleitet. Die fröhliche Familie hat sich von unvorsichtigen Gästen zum Singen und Tanzen überreden lassen, was uns eine weitere Nacht mit Ohrstöpseln beschert hat.
28/08/2024
Um die Ecke lag ein kleines Dorf vor der Insel im Meer. Die Häuser waren von Seenomaden im flachen Wasser auf Stelzen gebaut. Aber ihre Sesshaftigkeit hat sich irgendwann in Form eines kilometerlangen Stegs, der von der Insel zum Dorf führte, manifestiert. Darunter lässt sich hervorragend schnorcheln. Überraschenderweise wuchsen dort große Gorgonien in allen Farben von rot, gelb bis zartrosa nur eine handbreit unter der Wasseroberfläche. Die Farben strahlten in dieser Tiefe natürlich unschlagbar gut.
In dem eigenartigen Dörfchen hat uns unser Resort-Wirt und Bootsführer Nuir zu einer kleinen Hummerzucht geführt. Das Praktische an einem Haus auf Stelzen mitten im Meer ist, dass man sich einfach ein Netz ans Haus nageln kann und schon hat man eine Hummerfarm. Wir haben uns fürs Abendessen zwei lebende Lobster mitgenommen.
Die mussten wir dann auch selber in der Küche der Resort-Familie zubereiten. Das Ausmaß der Zubereitung wurde uns erst klar, als man uns lachend einen Knüppel und eine Machete reichte. Nach ein paar beherzten Hieben brauchten wir nur noch einen Grill und etwas Öl für dieses köstliche Abendessen.
29/08/2024
Die Abreise von den Togeans war nicht nur traurig, weil wir diesen schönen, entspannten Ort verlassen würden, sondern vor allem einschüchternd wegen der kommenden Transporte. Noch vor Mittag mussten wir mit einem kleinen Boot zurück nach Wakai, dem Haupthafen der Togean Islands. Das hat schon wegen Überbelegung fast drei Stunden gedauert. Aber wir waren auch (auf Anraten hin) viel zu früh da. Wakai ist in ziemlich desolaten Zustand und das Hafengebäude ist halb verfallen. Man würde nicht meinen, dass dort an vier Tagen pro Woche Betrieb ist.
Die große Fähre legte gegen sechs Uhr abends endlich ab. Da waren wir schon völlig kaputt. Wir hatten uns für die „Tatami Class" entschieden. Dieses Deck hat zwei Etagen mit Betten und war an den Seiten offen. Frische Luft auf See klang nach einer guten Idee, im Gegensatz zu abgeschlossenen klimatisierten Räumen. Da es regnete und die Passagiere ohne Ticket für ein Bett im Gang unter den Fenstern lagen, wurden noch vor der Abfahrt dicke Plastikplanen herunter gelassen, die jeden Luftaustausch verhinderten. Es wurde immer wärmer und stickiger und dutzend Kinder bekamen einen Koller. Während der zwölf Stunden Überfahrt haben wir tatsächlich ein bisschen Schlaf gefunden (als die Cafeteria ihre Atari-Musik endlich ausgestellt hatte). Aber die Nacht war kein Genuss.