22. Dezember 2015

Bogota

24. Dezember 2015

Nach Palmari

25. Dezember 2015

Palmari

In der Maloka konnten wir besser schlafen, als erwartet. Alle waren ruhig und friedlich. Nach dem Frühstück mit Christstollen hat man uns die möglichen Aktivitäten erklärt. Wir starten mit einem Spaziergang durch den Regenwald. Da es die ganze Nacht geregnet hat, sind Gummistiefel das richtige Schuhwerk. Der Wald ist dicht und dunkel, aber voller Geräusche. Vögel, Käfer und Affen kreischen um die Wette. Die Moskitos sind an einem so schwülen Morgen natürlich besonders gut drauf und stellen unsere Mückenabwehr schwer auf die Probe. Malaria-Prophylaxe zu nehmen war jedenfalls die richtige Entscheidung.

Zum Mittagessen kommen wieder alle zusammen, um sich mästen zu lassen. Den Nachmittag haben wir mit einem Kayak-Ausflug auf dem Rio Javari verbracht. Nach einer Weile wollte der Führer umdrehen, weil sich eine bedrohlich schwarze Wolkenwand vor uns aufgebaut hatte. Hinter uns regnete es aber auch. Wir konnten die Gebäude der Lodge, die kurz davor noch in der Sonne lagen, kaum noch durch den Regenschleier sehen. Wir sind mit ein paar Tropfen in unserem Regenloch davon gekommen, haben aber leider die angepriesenen rosa Flussdelfine nicht gesehen. Die hätten dem kitschigen Regenwaldregenbogen gut gestanden.

26. Dezember 2015

Die Nacht über hat es wieder fast durchgehend geschüttet. Wir haben unsere Matratze leicht verschoben, um nicht unter dem Loch im Dach zu liegen. Zum Morgen hin hört der Regen auf. Stattdessen berieselt uns der Hauspapagei, der Hahn des Regenwalds, ab Sonnenaufgang mit seinen Krächzereien. Am Vormittag haben wir eine Canopy-Tour gemacht. Wir waren zwar schon öfters auf Hängebrücken in Baumkronen, aber hier musste man selbst an einem Seil hochklettern. Das geht bei 40m natürlich nicht ganz ohne Hilfe. Mit Seilbremsen und Fußschlaufen haben wir uns raupenartig das Seil hochgearbeitet. Oben hat man einen schönen Blick über den endlosen Wald. Hinter einer wackligen Brücke haben sie noch ein Drahtseil gespannt, an dem man zum nächsten Baum sausen kann.

Am Nachmittag haben wir unsere Kayak-Tour wiederholt – diesmal ohne Regen. Ein Stück den Fluß herauf gibt es eine versteckte Einfahrt zu einem kleinen Seitenarm, der nur ein paar Meter breit ist. Es gibt kein richtiges Ufer, vielmehr fängt einfach das undurchdringliche Dickicht des Waldes an. Mit jedem Regenguss klettert das Wasser etwas höher, so dass Büsche und Baumstämme im Wasser stehen. Viele Bäume stürzen von dieser übertriebenen Wasserfürsorge um und versperren den Wasserweg. Wir mussten tief gebückt mit den Kayaks unter den Stämmen her. Nach einer Weile führt der Weg in die einsame Lagune San Antonio. Hier toben sich Geier und Eisvögel und unter der Wasseroberfläche angeblich Piranhas und dickere Fisch aus. Die Lagune hat eine Linksbiegung, so dass wir zwei Stunden lang ständig dachten, dass sie gleich zu Ende sein müsste. Urplötzlich war sie das auch – ohne erkennbaren Ausgang. Wir hatten schon die Sorge, dass wir das alles wieder zurück rudern müssten, aber dann haben wir die Kayaks ein paar Meter über einen schlammigen Trampelpfad über Land gezerrt und sind auf wundersame Weise wieder in dem Eingangskanal gelandet. Auf einem Satellitenfoto haben wir später gesehen, dass die Lagune eine alte Flusskehre ist, die nicht mehr durchflossen wird, und fast kreisrund ist.

Durch einen Zufall haben wir ein Upgrade aus der Maloka in eine private Hütte bekommen. Eine brasilianische Schulklasse ist angekommen. Das wollten sie uns netterweise ersparen. Dadurch hatten wir den Luxus eines eigenen Badezimmers und acht Betten zu unserer freien Verfügung, allerdings immer noch ohne Strom. Bevor wir uns aber an diesen Genuss gemacht haben, sind wir noch auf eine Nachtwanderung in Dschungel aufgebrochen. Seit Borneo haben wir da Blut geleckt. Und tatsächlich lässt sich auch hier nachts Allerlei in den Kegel der Stirnlampe holen: Frösche, Insekten, Spinnen inklusive einer monströsen Vogelspinne und sogar ein waschechtes Stick Insect, das wie ein wandelndes Ästchen im Wald eigentlich hätte unentdeckt bleiben sollen. Eigentlich sollte der Ausflug nur ein Stündchen dauern, ist durch unsere Insekten-Such-Laune aber fast dreimal so lange ausgefallen. Das eigentliche Ziel war eine Stelle mit, sagen wir, magischen Pilzen, die im dunkeln durch Biolumineszenz schwach leuchten. Durch den Vollmond ist das Wunder eine Nummer kleiner ausgefallen als erwartet. Aber es ist trotzdem ganz spannend im dunklen Regenwald mal die Lampe auszumachen und im Schein von Pilzen zu wandern.

27. Dezember 2015

Im Waldrausch haben wir am nächsten Morgen dem höchsten und nach Ansicht einiger Anwohner auch heiligsten Baum der Gegend einen Besuch abgestattet. Der Ceiba-Baum soll an die 900 Jahre alt sein und ist 100m hoch. Auf den ersten Blick wirkte der Baum gar nicht so viel größer als der Rest. Man stellt sich einen Funkturm mit grüner Spitze vor. Aber hier sind die anderen Bäume auch nicht gerade klein. Die Ceiba könnte man mit ihrer gewaltig breiten Krone auch gleich für einen ganzen Hain halten. Tatsächlich soll man 28 Mann brauchen, um ihn zu umfassen. Das wirft natürlich Fragen nach der Methode auf, die man als zwangsbegeisterter Tourist natürlich nicht stellen sollte. Aber wenn man zwischen den Hochwurzeln steht und nach oben guckt, hat man schon einen beeindruckenden Anblick. Die Flanke sieht aus wie eine Straße aus Holz, auf der sich vermutlich zwei Autos überholen könnten.

Auf dem Rückweg haben wir einen Halt in einer "Community" gemacht. Santa Rita liegt auf der anderen Seite des Javaris und ist daher nicht mehr brasilianisch sondern liegt in Peru, zu dem auch ein Stück von diesem seltsamen Dreiländereck gehört. Trotzdem wird hier mit kolumbianischen Pesos bezahlt. Und natürlich gibt es auch keine Grenzkontrollen. Das Gebiet ist eine extrem Grüne Grenze und für Pässe und Stempel interessiert sich hier niemand. Die 40 Einwohner von Santa Rita haben es auch so offensichtlich nicht leicht. Die armen Behausungen liegen ein einer langen Reihe am Fluß und zählen die örtliche Telefonzelle zu ihren fortschrittlichsten Errungenschaften. Immerhin gibt es seit kurzen eine Stromleitung hierher (aus Brasilien).

Um den letzten Nachmittag nicht zu vergeuden, haben wir uns zum Angeln überreden lassen. Das kommt dem Vergeuden verdächtig nah, ist aber immerhin mit einer Bootsfahrt verbunden. Wir sind wieder durch den Seitenkanal zur San Antonio Lagune gefahren. Durch die nächtlichen Regenfälle ist der Fluss sichtbar gewachsen und der Kanal kaum noch zu passieren. Unser brasilianischer Führer Walter hat mit seiner Machete eine Menge Biomasse hinfort gezaubert und wir mussten einen Boots-Limbo unter den Stämmen machen. Das Angeln ist so aufregend ausgefallen, wie erwartet. Vermutlich ist es eine Einstellungssache, aber auch Langeweile und Spaß liegen im Auge des Betrachters. Zum Glück haben wir nichts gefangen, sodass wir uns nicht auch noch mit der tierischen Seite dieses "Sports" beschäftigen mussten. Wir haben stattdessen einige Übung im Ausschleudern der Leine und im Herauslösen der Haken aus Bäumen und Sträuchern bekommen. Auf der Rückfahrt haben wir dann endlich ein paar Delfinrücken gesichtet. Von rosa konnte zwar keine Rede sein, aber auch in grau sind sie nett anzuschauen. Leider hatten wir keine Ringe und Bälle, so dass sie direkt wieder gelangweilt abgetaucht sind.

Nach dem Abendessen haben wir mit sehr netten Kolumbianern, die uns mit Reisetipps überhäuft haben (wir müssen wohl wieder kommen, um das alles in einer zweiten Reise abzuarbeiten), eine Kanne Caipirinha geleert, die hier gerne nach dem Abendessen gereicht wird. Für Kolumbianer ist das besonders toll, weil man in Kolumbien verrückter Weise kaum Cachaça bekommt. Der wird vom Zoll abgefangen, damit sich die einheimischen Aquadiente-Produzenten nicht so viel Mühe geben müssen. Auf unserer kleinen Terrasse haben wir ein letztes Mal den Sternhimmel und den Mond über dem nächtlichen Rio Javari bewundert, der träge in Richtung Amazonas fließt.

28. Dezember 2015

Nach Bogota

Dank der Siesta der brasilianischen Grenzpolizei mussten wir schon um halb acht aufbrechen. Der Rio Javari ist in den vier Tagen schon deutlich angeschwollen. Wie es hier am Ende der Regenzeit wohl aussieht? Wir hatten das Glück, dass der Lodge-Manager auch nach Leticia zurück musste, so dass wir uns das Taxi sparen konnten. In Leticia sind wir wieder an den Ghats angekommen und haben alle Schritte des Hinwegs rückwärts gemacht. Man muss sagen, dass sich die Palmarí-Leute auch in Leticia noch sehr gut um uns gekümmert haben. Am Ende sind wir wieder im selben Guesthouse in Bogotá angekommen, was sich fast schon wie nach Hause kommen anfühlte. Vor allem haben wir uns auf trockene, saubere Klamotten gefreut – eine der wenigen Dinge, die man auch im elektrifizierten Regenwald nicht länger als zwei Stunden aufrecht erhalten kann.

29. Dezember 2015

Villa de Leyva

02. Januar 2016

Nach Güican

03. Januar 2016

El Cocuy

08. Januar 2016

Cartagena

09. Januar 2016

Islas del Rosarios

10. Januar 2016

Cartagena

12. Januar 2016

Palomino

Land und Leute