Japan 2017

日本
29.10 bis
18.11.2017
Karte von Japan

02/11/2017

Tokio

Am Stadtflughafen von Tokio ging alles geht schnell und organisiert. Wir haben den Bus in die Stadt genommen und konnten dabei einen ersten Eindruck von der japanischen Ordnungsliebe bekommen. Vier Angestellte (einer mit Mikro und Lautsprecher) plus Digitalanzeigen und Schildern organisieren die sachgemäße Abfahrt von acht Reisenden. Es werden zwei kleine Schlangen auf dem Bürgersteig gebildet, das Gepäck in eine gerade Linie gebracht, Tickets zweimal gecheckt. Nachdem das Gepäck verstaut ist, verbeugen sich die Helfer vor dem Bus, der (natürlich) pünktlich abfährt. Durch einen endlosen Tunnel sind wir unter der halben Stadt durchgefahren und direkt vor dem Bahnhof Shinjuko wieder ans Tageslicht gekommen.

Der verwirrende Bahnhof ist in zwei Shopping- und Büro-Hochhäusern integriert, die von einer Überführung getrennt sind, und erstreckt sich über mehrere Etagen. Im 4. Stock liegt ein Busbahnhof und zwei U-Bahn Stationen sind unterirdisch angeschlossen. Unser Hotel liegt in einer kleinen Gasse nur wenige hundert Meter entfernt. Bis dahin sind wir schon an drei Starbucks vorbei gekommen. Das Hotel ist in einem ehemaligen Apartmenthaus für Pygmäen untergebracht. Die Zimmer sind wirklich winzig. Mit Gepäck kann man sich kaum bewegen. Die Toilette ist eine Plastikkabine aus einem Stück, in der man sich auch ohne Gepäck nicht bewegen kann.

Das Straßenbild ist extrem aufgeräumt und durchorganisiert. Alles ist mehrfach beschriftet und beschildert. Vor jeder Baustelle steht ein Baustellenentschuldiger mit Lautsprecher, der Passanten anweist links oder rechts zu gehen und sich mit Verbeugungen dafür bedankt. Rund um den Bahnhof ragen Hochhäuser auf. Doch in den Nebenstraßen ist noch Platz für flache, kleine Häuser. Immer wieder kamen wir durch Restaurantstraßen, deren kleine Bars mit ihren großen Laternen, kurzen Vorhängen und Holztheken ziemlich japanisch aussahen.

Das südlich anschließende Harajuku ist sehr geschäftig. Hier ist alles sehr westlich-international. Die kleine Einkaufsstraße Kashitadori ist immer von Teenagern überfüllt, die sich hier für die schrägsten Kreationen des Waffel-Hypes anstellen.

In den Nebenstraßen gibt es viele Boutiquen und schön gemachte Cafés. Auf der prächtigen Omote-Sando reihen sich Edelshops wie Gucci, Prada usw. in super moderner Architektur aneinander. Zwischendrin gibt es kleine Museen und jede Menge Restaurants. Wenn die Straße nicht voller Japaner wäre, könnte man sich auch in New York wähnen.

03/11/2017

Am Morgen haben wir den Meji-Schrein besucht, der auf der Rückseite des Yoyogi-Parks in einem Wald gelegen ist. Auf dem breiten Weg durch hohe Bäume war viel Betrieb. Viele Mütter nutzen diesen Ausflug, um sich und ihre Töchter in hübsche Kimonos zu stecken und ein Daumenkino zu knipsen. Durch mehrere große Holztore kamen wir zum Schrein, der leider komplett eingerüstet und daher wenig eindrucksvoll war.

Es werden Opfergaben in großen Mengen zur Schau gestellt, wie z.B. eine Wand voll schöner Sake-Fässer, die sich die Tokioter vor lauter Dankbarkeit gegenüber dem Meji-Tenno vom Munde abgespart haben. Im Hof sind so viele Sakeflaschen, Präsentkörbe und dekorative Süßigkeiten aufgestellt wie in einem Duty-Free-Shop.

Natürlich mussten wir auch nach Shibuya. Die berühmte „busyeste“ Kreuzung der Welt ist nicht ganz so voll wie erwartet, aber die Kreuzung Wilhelmstraße in Nippes ist jetzt auf Platz 2 gerutscht. In den umliegenden Straßen wird geshoppt bis zum Umfallen. Überall rennen junge Leute mit vollen Taschen und Coffee-to-go herum, was nicht sonderlich spannend anzusehen ist. Von einem Hochhaus aus konnten wir die Gegend von oben aus sehen. Ziemlich wuselig und ziemlich hässlich bebaut.

Im Viertel Roppongi hat man sich an urbanen Projekten versucht. Die Gegend ist komplett künstlich und man wandert von einem Hochhauskomplex zum nächsten. Hier sind einige neue Museen untergebracht. Das interessanteste war leider gerade geschlossen, als wir kamen. Wir haben im 21_21, das in einen kleinen Park eingebaut ist, eine ganz nette Ausstellung gesehen, wollten aber recht schnell wieder in natürlichere Stadtteile fliehen, wo es weniger generisch-modern und unjapanisch ist.

Zurück in Shinjuku haben wir eine weitere typisch japanische Aktivität mitgemacht: Das Schlangestehen. Die besten Empfehlung bekommt man in Tokio auch ohne Social Media, indem man sich einfach anstellt. Wenn zwischen zig Läden vor einem speziellen zwei Dutzend Leute stehen, lohnt sich das Warten meistens. In unserem Fall war das ein Fließband-Sushi-Restaurant, das wirklich köstlich war. Die Sitzplätze sind komplett durchautomatisiert: Vom feuchten Tuch über Stäbchen, Ingwer und Sojasauce bis zum Zapfhahn für heißes Teewasser.

Den Abend haben wir luxuriös in der New York Bar verbracht. Die Atmosphäre ist ziemlich gediegen. Eine Jazz-Kombo sorgt für musikalische Unterhaltung und die Drinks sind gut. Das eigentliche Highlight ist aber die unfassbare Aussicht auf das nächtliche Tokio aus dem 52. Stock.

04/11/2017

In Tokio steht Frömmigkeit nicht an erster Stelle. Daher muss man mehr als nur um eine Ecke gehen, wenn man zu einem Tempel will. Für den beliebten Senso-Ji lohnt sich der Weg nach Asakusa aber. Der Schrein schart einen ganzen Bezirk von kleinen Souvenir-, Süßigkeiten- und Tinnefläden um sich. Eine lange Straße führt durch Holztore mit gewaltigen Laternen zum Tempel. Unentwegt schieben sich Menschen durch die Gasse und verheddern sich mit ihren Selfie-Sticks. Mädchen haben sich in Kimonos geworfen und veranstalten ausgiebige Fotoshootings. Im Hof des Schreins steht nicht nur eine sehr hohe Pagode mit zahllosen gleichförmigen Stockwerken. Die Hauptattraktion sind die Horoskop-Häuschen. Nach einer kleine Spende kann man eine Metallbox mit Stäbchen schütteln und ein Stäbchen ziehen. Für jedes Zeichen haben die Stände eine Schublade mit Vordrucken. Neben einer eher poetischen Prophezeiung gibt es auch immer konkrete Antworten auf nicht gestellte Fragen: „Der gesuchte Gegenstand wird gefunden“, „Der Hausbau gelingt.“ Gut zu wissen! Noch besser ist, dass man unerquicklichere Schicksale einfach ablehnen kann, indem man sie an ein Gatter am Schrein knotet.

Der Tokyo Skytree Tower ist zwar um die Ecke, aber wir haben uns für den Ueno-Park entschieden. Der ist allerdings nicht so grün wie gedacht. Auf asphaltierten Straßen kann man zwischen Baumreihen und Rasenflecken wandeln. Von dort aus sind wir nach Yanaka spaziert. Das Viertel ist ziemlich ruhig, was wohl auch an dem großen Friedhof liegt. Aber auch die Straßen für die Lebenden haben trotz ihrer zentralen Lage eine kleinstädtische Ruhe. Die Yanaka Ginza wirkt wie eine Dorfeinkaufsstraße mit vielen einfachen Lokalen und alten Geschäften, sogar Trödler und Schneider. Als wären die Hochglanz-Viertel nicht nur Kilometer sondern Jahre entfernt.

Abends wollten wir in den kleinen Gassen in Shinjuku etwas essen, was schwieriger war, als gedacht. Wir hatten eine gut aussehende Spießchen-Bar im Auge, aber der Kellner hat uns nur lachend einen Blick auf die englische Karte werfen lassen: Nur Innereien, Leber, Hirn, Rektum - viel weiter mussten wir nicht lesen. Die anderen Lokale hatten schlechtere Ausreden.

Und dann gibt es noch Akihabara, das wahrscheinlich wildeste Viertel von Tokyo. Wer nicht für Spielekonsolen oder Anime gekommen ist, kann sein Geld in Maid-Cafés oder Pachinko-Hallen lassen. Es ist schwer zu sagen, was von beiden verrückter ist. In den Spielhallen, wo brüllend laut viel zu schneller Techno läuft, sitzen die Kunden apathisch mit einer Hand am Handy und einer an den Automaten, in denen in irrer Geschwindigkeit Kügelchen herumsausen und nach nicht erkennbarem Muster ausgepuckt werden. Dazu blinkt und blitzt es aus Stroboskopen. Da verbringt man doch lieber den Abend in einem gemütlichen Katzen-Café.

05/11/2017

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17/11/2017

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